Über das Werk von Ernst Müller

Ernst Müllers Themenkreise umfassen grossräumige Landschaften, Seeland, Jura, Wallis, Lauenen bei Gstaad, Provence und andere Gebiete – Bergmotive, Blumen, Stilleben, Portraits, Aktbilder, Figurengruppen, Tiergruppen und abstrahierende Klangräume, Infernos, lunare und solare Visionen.

Die Werkgruppen Landschaften und Portraits, Aktbilder dürfte man als nachimpressionistisch bezeichnen, oder als poetischen Realismus. Die abstrakte Gruppe hat stark expressionistischen Charakter und tendiert ins Surreale. 

Ernst Müllers Maltechnik und Bildstrukturen richten sich weitmöglichst nach der jeweiligen Thematik. Man wird seinem Schaffen am ehesten gerecht, wenn man es als symphonische Vieleinheit zu verstehen sucht.

Die Bilder befinden sich in Werkgruppen bei Sammlern und Mäzenen, in Heimen, Schulen und Banken, in Privatbesitz.

Von der offiziellen Kunstszene her gesehen ist und bleibt Ernst Müller ein überzeugter Aussenseiter, Feind jeder Massen – Medien – Modediktatur, jeder Technomanie.

Credo von Ernst Müller

„Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll“, sagt Nietzsches Zarathustra.

Dieser verzweifelte Ausruf hat seine volle Geltung, erleben wir die Welt, erleben wir den Menschen äusserlich – geschichtlich, das heisst im Splitter- und Zerrspiegel unserer mechanisierenden, atomisierenden Intellektualität als Gegenbild, als Gegenbildner seiner selbst!

Erahnen, erleben wir aber das Menschenbild der höchsten, der ganzheitlichsten Klänge und Gesichte, wird uns der Mensch ein Keimender, ein Kommender, eine Zukunft, die erst erfüllt werden soll.

Alles wahre Bild, alle wahre Bildung bildet und bebildert offen und verschleiert, bewusst und unbewusst dieses weltweite Wesen, dieses offene, klingende, künftige Menschenbild.

Alles Bild, (auch das Naturbild), mag es noch so geistfern, noch so oberflächlich scheinen, wird gezeugt, wird gespiesen aus der Welt des Urbildlichen, des Mythos, des Märchens, und alles wirkliche Bilden führt den Menschen zu den Quellen seiner selbst.

Die im tiefsten und umfassendsten Sinne realste Kraft strömt uns also aus Welten, die dem sogenannt nüchternen, modernen Menschen fremd, das heisst eher peinlich und unreal erscheinen müssen; der allein aber ist wirklichkeitsnah, ist wahrer Realist, der sein Selbst, der sein Urbild und Mythos im Welt – und Lebensganzen erahnt und entdeckt, der in seinem Alltag den Tag des Alls wiederfindet. 

Er pflanzt Geheimnis und nächtige Stille, wo Entzauberung und Verödung droht, und schafft Klarheit, Stufung und Durchsicht, wo Chaos und Abgrund wogt.

Er ist`s, der das Furchtbare fruchtbar macht, dem jedes Chaos seine Sonne muss gebären.

Durch Bild und Gegenbild, durch freie Wanderung von innen nach aussen, von aussen nach innen, durch “ Himmel- und Höllenfahrt“ möchten auch wir Weg schaffen zum ganzheitlichen Menschen, zum Hain guter Entstehnis, sternüberglänzt, windüberrauscht, wolkenüberwandert, ewiger Gesichte voll.

Unsere Bilder wollen nicht zurück, sondern vorwärts zur Natur, zum Menschen.

Sie erheben nicht den Anspruch, alt oder neu zu sein, sondern lebendig!

Kraft und Kräfte wollen sie zeigen.

Ihre volle Wirklichkeit haben sie erst im Zusammenklang als Sätze einer Symphonie, einer Vieleinheit.

Wir sind überzeugt von der Notwendigkeit allen Geschehens! Grenzerfahrungen bleiben keinem erspart, der schöpferisch ist. Sie bringen uns, haben uns grosse Befreiungen, neue Bewusstheit und Bereinigung der Kunstmittel gebracht.

Wir betrachten es als unsere Aufgabe, die zum Teil bis zur völligen Sterilität gereinigten Mittel wieder in den Dienst der Mitte, in den Dienst lebendiger, beherzter Ganzheit zu stellen. Frei von Dogma und kalter Perfektion. Wir singen das Lied der Welt, unserer Welt, und immer wieder kehren wir heim in unsern ewigen Hain guter Entstehnis, felsdurchschimmert, sternüberglänzt, wolkenüberwandert, ewiger Gesichte voll.